Einführung in den Islam
Was ist Islam und wie wird man Muslim? Jeder
Glaube, ob auf Wahrheit oder Falschheit gegründet, jede
Gesellschaft, gut oder schlecht, jede politische Partei,
unabhängig von ihren noblen oder nicht noblen Absichten,
funktioniert aufgrund bestimmter grundlegender Prinzipien und
Regeln. Sie definieren das Ziel und die Ausrichtung aller
Aktivitäten. Diese Prinzipien und Regeln sind für die Mitglieder
in Form einer Verfassung zusammengefasst. Jeder, der Mitglied
einer solchen Organisation werden will, beginnt damit, ihre
Leitlinien zu studieren. Wenn sich herausstellt, dass diese
seinen Verstand und sein Unterbewusstsein befriedigen und er an
ihrer Gültigkeit nicht zweifelt, wird er sich entschliessen, der
Organisation beizutreten. Er wird eines ihrer Mitglieder und
einer ihrer Unterstützer.
Von da an sollte er den Gesetzen, die in der
Verfassung festgelegt sind, folgen und seinen Mitgliedsbeitrag
zahlen. Er muss auch seine aufrichtige Anerkennung der
Prinzipien und Regeln beweisen. Das bedeutet, dass er sie sich
regelmässig vor Augen halten muss und sich versichert, dass er
nichts tut, was im Widerspruch zu diesen Regeln stehen würde. Er
sollte durch seinen Charakter und sein Benehmen ein Beispiel
geben als einer, der begierig den Regeln folgt und an die
Prinzipien glaubt.
Wir können zusammenfassen, dass Mitgliedschaft zu
einer Gesellschaft folgendes bedeutet:
-
Wissen über die Organisation,
-
Glauben an die Prinzipien,
-
Festhalten an den Regeln,
-
Sein Leben nach diesen Regeln und Prinzipien
ausrichten.
Dies sind allseits akzeptierte Konventionen, die
auch auf den Islam angewendet werden können. Jeder, der zum
Islam übertreten will, muss dessen Prinzipien von Anfang an aus
voller Überzeugung heraus annehmen. Dies setzt voraus, dass er
den Glauben daran in sich entwickelt hat.
Diese Prinzipien lauten kurz beschrieben:
-
Die materielle Welt ist nicht alles und nicht
das Ende unserer Existenz. Das Leben in dieser Welt ist nur
ein Teil des ewigen Lebens.
-
Der Mensch hat
vor seiner Geburt existiert und wird auch nach seiner Geburt
weiterexistieren. Er hat sich nicht geschaffen, sondern wurde,
ehe er sich seiner menschlichen Existenz bewusst wurde,
erschaffen.
-
Die unbeseelten
Objekte um ihn herum konnten ihn nicht erschaffen, da er ein
denkendes Wesen ist und sie nicht.
-
Alles in diesem
Universum wurde von Gott, dem Allmächtigen, aus dem Nichts
erschaffen.
-
Allah ist der einzige, der Leben gibt und nimmt.
Er hat alles erschaffen. Wenn er es will, kann er alles
zerstören und auslöschen.
-
Der allmächtige
Gott hat keinerlei Ähnlichkeit mit seiner Schöpöfung. Er ist
ewig und besitzt unbegrenztes Wissen und Verstehen.
-
Er ist absolut gerecht, auf eine Weise, die mit
menschlichen Massen nicht beurteilt werden kann.
-
Er ist derjenige, der die Gesetze der Natur
begründet hat.
-
Von Beginn an hat er alles ausgewogen
erschaffen, so dass Phänomene der Bewegung und Ruhe, der
Folgerichtigkeit und des Widerspruchs, die wir sowohl im
Beseelten als auch im Unbeseelten beobachten können, deutlich
definiert und unterscheidbar sind.
-
Dem Menschen wurde die Kraft des Verstandes
gegeben, um mit allen Gegebenheiten, denen er
gegenübergestellt wird, umgehen zu können. Die Kraft des
Verstandes kann er gebrauchen, um selbst wählen zu können und
die Kraft des Willens, um erlangen zu können, wonach er strebt.
-
Allah hat ewiges Leben geschaffen, abgesehen
von dem zeitlich begrenzten, indem er die Rechschaffenen mit
dem Paradies belohnt und die Sünder mit der Hölle bestraft.
Dieser Gott ist
einzig. Niemand ausser ihm darf verehrt werden. Niemand kann ihn
uns näher bringen, indem er für uns betet ausser wenn Allah es
will. Deswegen sollten wir ihn allein mit aller Ernsthaftigkeit
und Reinheit verehren.
Alle materiellen Dinge, die wir sehen und fühlen
können, wurden von ihm geschaffen. So wie er auch unsichtbare
Lebewesen, die beseelt und unbeseelt sind geschaffen hat. Unter
den unsichtbaren Wesen befinden sich die Engel, die
ausschliesslich für das Gute sind, und die Teufel, welche als
dunkle und negative Kräfte geschaffen wurden. Abgesehen davon
gibt es als dritte Kategorie die Djinn (Geister), welche in
teuflische und gute Djinn eingeteilt werden können.
Von den Menschen hat Gott bestimmte erwählt.
Ihnen wurde die Sharia (das göttliche Gesetz) offenbart, so dass
sie die Menschheit führen können. Dies sind die Propheten.
Dieses göttliche Gesetz ist der Inhalt aller
Bücher, die vom Himmel offenbart wurden. In jedem dieser Bücher
bis zum letzten Buch, dem heiligen Koran, führt Gott uns über
aufeinander aufsetzende Stufen. Die vorhergegangenen Bücher
wurden entweder verändert, verloren oder vergessen. Der heilige
Koran blieb vollkommen erhalten. Der letzte der Propheten ist
Mohammad (Friede und Gottes Segen sei mit ihm), Sohn von
Abdullah, einem Araber vom Stamm der Quarayshi. Durch ihn wurden
alle vorhergegangenen göttlichen Botschaften abgeschlossen. Seit
dieser Zeit gab es keinen weiteren Propheten.
Der heilige Koran ist die Verfassung des Islams.
Wer immer die Tatsache akzeptiert, dass er von Gott offenbart
wurde und an diesen mit allem Respekt glaubt, ist ein Mumin (Gläubiger).
Iman (Glaube) kann nur Gott sehen, denn Menschen können nicht in
andere Herzen blicken und erkennen, was in ihnen ist. Deswegen
ist es entscheidend, dass der Mensch, um im Islam akzeptiert zu
werden, seinen Glauben durch zwei Bekenntnisse ausdrückt. Sie
lauten: "Ich glaube, dass es keinen Gott ausser Allah gibt und
ich glaube, dass Mohammad (Friede sei mit ihm) sein Prophet ist."
In dem Moment, in dem er seinen Glauben auf diese Weise erklärt,
wird er Muslim. Er hat dann Anrecht auf alle Rechte, an denen
sich Muslime erfreuen. Er stimmt aber auch der Erfüllung aller
Pflichten zu, die der Islam von ihm verlangt.
Diese Ibadat (Pflichten) sind die
vorgeschriebenen Formen der Anbetung. Es sind nur wenige und sie
sind leicht auszuführen. Sie benötigen nicht viel Mühe und
Anstrengung. Vier sind es, die im folgeden beschrieben werden:
Ein Muslim betet zwei Rakat (Niederwerfungen) im
Morgengrauen, da er sich in dieser Zeit in Verbindung mit
seinem Gott befindet. Er bittet um seine Güte und um den Schutz
vor seiner Bestrafung. Ehe ein Muslim diese Gebete verrichtet,
verrichtet er die Wudhu (religiöse Waschungen). Er wäscht dabei
sein Gesicht, seine Hände und Füsse, oder aber er badet sich,
wenn er sich in einem Zustand der Unreinheit befindet. Neben dem
Morgengebet betet er zu vier weiteren Zeiten: vier Rakat zu
Mittag, vier Rakat am Nachmittag, drei Rakat zu Sonnenuntergang
und vier Rakat in der Nacht.
Diese Gebete sind Pflicht. Man braucht dafür
insgesamt täglich nicht mehr als eine halbe Stunde. Sie müssen
nicht an einem bestimmten Ort stattfinden oder von einer
bestimmten Person geleitet werden. Ein Muslim braucht für sein
Gebet keinen Vermittler, da er direkt zu Gott betet.
In einem bestimmten Monat im Jahr fastet ein
Muslim. Das Fasten wird im Ramadan (dem Fastenmonat) nach
Sonnenuntergang unterbrochen. Man kann nachts zu jeder Zeit, bis
zum Ruf zum Morgengebet, essen. Während des Tages halten sich
die Muslime von Essen, Trinken und jeglicher sexueller
Betätigung fern.
Der Ramadan ist
ein Monat der Selbstreinigung für jeden Gläubigen, da er Körper
und Seele reinigt. Es ist ebenso der Monat, um das Verlangen zu
stillen, Gutes zu tun und grosszügig zu sein, und sich der
Bruderschaft aller Menschen in dieser materiellen Welt zu
besinnen.
Ein Muslim muss 2.5 % seines Besitzes als Almosen
den Armen und Bedürftigen geben. Er tut dies einmal jährlich,
nachdem er seine und die Bedürfnisse seiner Familie gestillt
hat. Für die Armen ist die finanzielle Unterstützung der reichen
Muslime eine grosse Quelle der Erleichterung und Hilfe. So wird
die Armut vermindert und eine Form von sozialer Sicherheit
aufgebaut.
Der Islam hat bestimmte
regelmässige Zusammentreffen für die Muslime festgesetzt. Sie
können fünfmal am Tag zum Gebet zusammenkommen. Dies bedeutet
nicht, dass irgendjemand seine Arbeit unterbrechen muss, was
immer sein Handel oder Beruf ist. Wer diese Treffen versäumt,
kann zuhause beten.
Sie verlieren so nur den erfreulichen Gewinn, in der Gruppe zu
beten.
Die wöchentliche
Versammlung am Freitag zum Djuma Gebet, das ungeführ eine Stunde
dauert, ist für die männlichen Muslime eine Pflicht. Abgesehen
davon gibt es zweimal im Jahr zum Id-Fest grosse Zusammenkünfte,
bei denen die Anwesenheit nicht Pflicht ist.
Schliesslich gibt
es die jährliche Weltversammlung, die Hajj genannt wird. Dies
ist eine gigantische öffentliche Zusammenkunft, die einmal im
Jahr in Mekka stattfindet. Sie versorgt uns in allen
spirituellen, körperlichen und intellektuellen Belangen. Von
einem Muslim wird erwartet, dass er einmal im Leben daran
teilnimmt, wenn es ihm möglich ist.
Dies sind die Pflichten und Akte der Verehrung,
die jedem Muslim auferlegt sind.
Darüber hinaus wird das Fernhalten von bestimmten
Verfehlungen auch als Ibadat bezeichnet. Darunter fällt das
Töten ohne gerechten Grund, die Missachtung der Rechte anderer,
agressives Gebaren, alle Formen der Ungerechtigkeit, alle Arten
von Drogen, die das Gehirn beeinflussen, Vergewaltigung, da
diese die Ehre und Würde eines Menschen zerstört und die
heiligen Bande der Blutsverwandschaft zerbricht. Es fallen
darunter auch andere Formen von verbotenem Benehmen wie Wucher,
Lügen, Betrug und Desertation von militärischen Aktionen, die
das göttliche Recht vertreten, Abgabe falscher Schwüre, Angabe
falscher Zeugen und vor allem undankbares Benehmen den Eltern
gegenüber.
Wie auch immer, Gott vergibt dem Muslim, dem es
nicht gelingt, alle seine Pflichten zu erfüllen, und der Teilen
des islamischen Gesetzes gegenüber ungehorsam ist, wohl aber
bereut und um Vergebung bittet. Andererseits wird ein Muslim,
der nicht bereut, als ein Abtrünniger betrachtet, der im
nächsten Leben bestraft wird. Doch diese Bestrafung ist zeitlich
begrenzt, nicht so wie die eines Ungläbigen.
Ein Muslim aber, der sich weigert, die
wichtigsten islamischen Prinzipien anzuerkennen, nicht an die
Pflichten und Regeln glaubt oder am geringsten im Koran
beschriebenen Detail zweifelt, wird als Verräter seiner
islamischen Identität beraubt. Vom Islam aus betrachtet, ist
Abtrünnigkeit gleichbedeutend mit Hochverrat. Wenn ein Mensch
seinen unislamischen Glauben nicht aufgibt und bereut, wird
dieser mit dem Tod bestraft. Der Glauben muss als ein Ganzes
angenommen werden und, deswegen wird die Verneinung eines Teils
als eine Verneinung des Ganzen angesehen. Daher wird jeder, der
nur 99% des Glaubens annimmt, aber l% ablehnt, als Ungläubiger
angesehen.
Mö?glicherweise lernst Du Muslime kennen, die
eigentlich Ungläubige sind. Sie können mit einer Person
verglichen werden, die einer politischen Partei oder einem
Verein beitritt, alle Versammlungen besucht, ihren
Mitgliedsbeitrag bezahlt und tut, was immer von ihr als Mitglied
verlangt wird. Abgesehen davon ist sie nicht bereit, die
Prinzipien zu akzeptieren und ist nicht von ihnen überzeugt. Es
sieht so aus, als ob diese Person der Partei oder dem Verein nur
beigetreten ist, um herauszufinden, was sich dort abspielt, oder
um Schwierigkeiten zu machen. Solch ein Muslim ist ein Heuchler.
Heuchelei wird als äusserliches Bekenntnis zum Glauben und als
Verheimlichung des Unglaubens definiert.
Diese Heuchelei des Glaubens sollte von der
sozialen Heuchelei, die vom Propheten (Friede sei mit ihm)
beschrieben wurde, unterschieden werden. Der Prophet Mohammad (Friede
sei mit ihm) sagte, dass ein Heuchler an drei Merkmalen zu
erkennen ist: Versagen beim Halten seines Versprechens, Lügen
und Brechen von jedermanns Vertrauen. Ein Glaubensheuchler gibt
Bekenntnisse ab und vollzieht seine religiösen Pflichten, jedoch
tief im Innerem bleibt er ungläubig. So jemand wird von seiner
Umgebung möglicherweise als Muslim bezeichnet, aber nicht von
Gott, der weiss, was in unserem Herzen und in unserem tiefsten
Inneren verborgen ist.
Die Prinzipien des Islams lauten kurz
zusammengefasst:
die
Einzigartigkeit Gottes mit Nachdruck betonen, an die Engel
glauben, an das Schicksal glauben, den Glauben bekennen, die
auferlegten Gebete vollziehen, im Monat Ramadan fasten, Zakat (auferlegte
Almosen) zahlen, Hajj (die Pilgerschaft nach Mekka einmal im
Leben) vollführen, Fernbleiben von allem, was den Muslimen
verboten ist.
Allgemein
gesprochen, ist es besser für uns, wenn wir uns an den Iman (Glauben)
halten. Wir fühlen uns besser und erfreuen uns an unermesslicher
Belohnung. Deswegen, obwohl es schwierig erscheinen mag, sich
hundertprozentig an die Gesetze zu halten, sind sie aufgestellt
worden, damit wir uns besser fühlen, wenn wir ihnen folgen.
Unser Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm) hat
die Merkmale eines wahren Muslims in einem Satz, welcher uns in
einer Nussschale die Essenz von Glauben und Handeln darlegt,
zusammengefasst: "Du solltst Gott verehren, als ob Du ihn sehen
könntest." Dies bedeutet, dass wir danach streben sollen,
allzeit Gottes Anwesenheit zu spüren.
Das ist die wahre Essenz des Islams; uns der
Anwesenheit Gottes bewusst zu sein in all unserem Tun, ob privat
oder ööffentlich, egal ob ernst oder nicht. Allah sieht uns
immer und kennt jede unserer Bewegungen. Deswegen folgt jeder,
der wirklich an Gott glaubt, seinen Gesetzen. Er wird auch nicht
verzweifeln, weil er weiss, dass Gott immer mit ihm ist. Ein
Mensch, der so bestärkt ist, braucht niemanden um Hilfe zu
fragen, da er Gott darum bitten kann, seine Bedürfnisse zu
erfüllen. Wenn jemand den Gesetzen Gottes nicht folgt, aber um
Vergebung bittet, wird Gott ihm vergeben.
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