Was bedeutet Islam?
Nahezu jede
Religion der Welt ist entweder nach ihrem Begründer oder nach
dem Volk, bei dem sie ihren Ursprung nahm, benannt worden. Das
Christentum beispielsweise leitet seine Bezeichnung vom Namen
des Propheten Jesus Christus ab, der Buddhismus von seinem
Begründer Gautama Buddha, der Zoroastrismus von seinem Stifter
Zoroaster und der Judaismus von dem Namen des Stammes Juda aus
dem Lande Judäa, wo er entstanden ist. ähnlich ist es im Falle
anderer Religionen.
Doch nicht so beim Islam. Diese Religion geniesst
die Auszeichnung, nicht an eine bestimmte Person oder ein Volk
gebunden zu sein (die Bezeichnung "Mobammadanismus" bzw. "Mohammadaner",
die in westlichen Ländern für Islam und Moslem gebräuchlich ist,
ist vööllig falsch und irreführend. Sie wird von allen Moslimen
aufs Schärfste abgelehnt. Für sie ist Mohammed kein Gott,
sondern der letzte einer langen Reihe von Propheten des Islams.)
Das Wort Islam deutet keinerlei derartige Verbindung an, denn es
bezieht sich weder auf irgendeinen Mann noch ein Volk oder ein
Land. Es wurde nicht von Menschengeist erfunden und beschränkt
sich auf keine bestimmte Gemeinschaft. Der Islam ist eine
weltumfassende Religion, deren Zweck es ist, im Menschen
islamische Eigenschaften und islamische Geisteshaltung zu
schaffen und weiterzubilden. Islam ist genaugenommen ein
Eigenschaftswort. Wer immer diese Eigenschaft besitzt, welcher
Rasse oder Gemeinschaft, welchem Land oder Volk er auch
angehöören mag, ist ein Muslim. Wie der Qur'an (Koran), das
Heilige Buch der Moslimen, sagt, hat es bei allen Vöölkern und
zu allen Zeiten gute und rechtschaffene Menschen gegeben, die
diese Eigenschaften besassen; sie alle waren und sind Moslimen.
Dies bringt uns zu der Frage was Islam bedeutet,
und wer Moslem ist. Islam ist ein arabisches Wort und heisst
Unterwerfung, und Hingabe. Als Religion steht Islam für vööllige
Unterwerfung unter den Willen Gottes und absoluten Gehorsam ihm
gegenüber. Eine weitere wahrheitsgetreue Bedeutung des Wortes
Islam ist Frieden. Das heisst, dass man wirklichen köörperlichen
und geistigen Frieden nur durch Unterwerfung und Gehorsam Gott
gegenüber erlangen kann. Ein solches Leben des Gehorsams gibt
dem einzelnen innere Ruhe und legt damit den Grundstein für den
wirklichen Frieden in der Gesellschaft im grossen.
Wie jeder sehen kann, ist das Universum, in dem
wir leben, streng geordnet. Unter all den Einzelbestandteilen,
aus denen es sich zusammensetzt, herrscht vollkommene
Gesetzmässigkeit. Alles hat seinen Platz erhalten in einem
grossen Plan, der sich auf wunderbare Weise in die Wirklichkeit
umsetzt. Die Sonne, der Mond, die Sterne und alle anderen
Himmelsköörper sind in einem grossartigen System miteinander
verbunden. Sie folgen einem unveränderlichen Gesetz und weichen
auch nicht im mindesten von ihrer vorbestimmten Bahn ab.
Die Erde dreht sich um ihre
eigene Achse und hält in ihrer Umdrehung um die Sonne auf das
genaueste den ihr vorgeschriebenen
Weg ein. Ebenso folgt alles in der Welt vom kleinsten kreisenden
Elektron bis zu den mächtigen Spiralnebeln ohne Ausnahme eigenen
Gesetzen. Materie, Energie und Leben wachsen und verändern sich,
leben und sterben ihnen entsprechend. Selbst in der Welt der
Menschen zeigen sich die Naturgesetze ganz deutlich. Die Geburt
des Menschen, sein Heranwachsen und der weitere Verlauf seines
Lebens - alles wird von einer Reihe von biologischen Gesetzen
bestimmt. Er bezieht seine Nahrung von der Natur entsprechend
einem unveränderlichen Gesetz. Sein ganzer Köörper, von den
feinsten Geweben bis zum Herzen und Gehirn, wird von den für ihn
vorgeschriebenen Gesetzen beherrscht. Kurz und gut, wir leben in
einem gesetzesgebundenen Universum, in dem alles seinen
festgelegten Bahnen folgt.
Dieses mächtige,
allumfassende Gesetz, das alles lenkt, was das Universum
einschliesst, von den winzigsten Staubköörnchen bis den
Milchstrassen im Weltraum, ist das Gesetz Gottes, des Schööpfers
und Erhalters des Universums. Da also die gesamte Schööpfung dem
Gesetz Gottes gehorcht folgt das ganze Universum
im wahrsten Sinne des Wortes der Religion des
Islams, denn Islam bedeutet nichts anderes als Unterwerfung und
Gehorsam Gott gegenüber. Die Sonne, der Mond, die Erde und alle
anderen Himmelsköörper sind daher "Moslimen". Ebenso Luft,
Wasser, Wärme, Steine, Bäume und Tiere: alles im Universum ist
Moslem, denn es gehorcht Gott durch Unterwerfung unter seine
Gesetze.
Sogar ein Mensch, der sich weigert, an Gott zu
glauben, oder ein Idol anbetet, muss gezwungenermassen ein
,Muslim' sein, soweit es seine köörperliche Existenzbetrifft.
Denn während seines gesamten Lebens, vom Stadium als Embryo bis
zur köörperlichen Aufölösung nach dem To. folgt jede Zelle
seiner Muskeln und jedes Glied seines Köörpers den für sie
vorgeschriebenen Gesetzen Gottes. Selbst seine Zunge, die
aufgrund seiner Unwissenheit Gott verneint oder eine Vielzahl
von Gottheiten preist, ist ihrer eigensten Natur nach ein
"Moslem". Sein Kopf, den er mutwillig vor anderen als Gott beugt,
ist als ,Muslim' geschaffen worden. Sein Herz, in dem er durch
seinen Mangel an wahrer Erkenntnis Liebe und Ehrerbietung für
andere hegt, ist seinem Wesen nach ein ,Muslim'. Sie alle
gehorchen dem gööttlichen Gesetz, und ihre Funktionen werden
durch dieses allein beherrscht.
Nun ist der Mensch aber so
beschaffen, dass es zwei getrennte Bereiche seines Wirkens in
seinem Leben gibt. Da ist einmal die Sphäre, in der er sich
vollkommen vom gööttlichen Gesetz beherrscht findet. Er kann
sich kein bisschen ausserhalb dieses Gesetzes bewegen oder davon
entfernen, noch kann er es auf irgendeine Weise oder in
irgendeiner Form umgehen. Wie alle anderen Geschööpfe wird auch
er vööllig von der Natur gefangengehalten und gezwungen, sieh
ihr unterzuordnen. Es gibt jedoch noch einen
anderen Bereich seines Wirkens, denn er ist mit Vernunft und
Intellekt begabt worden: er hat die Fähigkeit zu denken und sich
eine Meinung zu bilden, zu wollen oder nicht zu wollen, zu
akzeptieren oder abzulehnen. Es ist ihm freigestellt, jeden
beliebigen Lebensweg einzuschlagen. Er kann jeden Glauben
annehmen und sein Leben nach der Ideologie richten die ihm am
besten zusagt. Es ist ihm anheimgestellt, einen eigenen Kodex
für sein Verhalten zu formulieren oder einen von anderen
erstellten zu übernehmen. Er ist mit freiem Willen begabt und
kann sich seine eigene Handlungsweise zurechtlegen. In diesem
Bereich ist ihm also, ungleich anderen Geschööpfen, Freiheit des
Denkens und Handelns gegeben.
Diese beiden Bereiche
existieren ganz deutlich nebeneinander im Leben des Menschen. In
dem ersten ist er, wie alle Geschööpfe ein geborener ,Muslim';
er gehorcht unveränderlich den Geboten Gottes - es bleibt ihm
keine andere Wahl. Was den zweiten Bereich betrifft, so steht es
ihm frei ein Muslim zu werden
oder nicht.
Hier kann er ungehindert wählen, und es ist die Weise, in der er
seine Wahl trifft die, die Menschheit in zwei Gruppen einteilt:
die der Moslimen und die der Nichtmoslimen. Ein Mensch der sich
dafür entscheidet, seinen Schööpfer anzuerkennen, ihn als seinen
wirklichen Herrn zu akzeptieren, sich aufrichtig und
unbedenklich seinen Gesetzen und Befehlen zu unterwerfen und die
Gebote zu befolgen, die er den Menschen für ihr privates und
gemeinschaftliches Leben offenbart hat, wird so zu einem
perfekten Muslim. Er hat in seinem Islam Vollkommenheit erlangt,
indem er sich bewusst dafür entschieden hat, Gott auch in dem
Bereich zu gehorchen, in dem ihm die Freiheit der Wahl gegeben
war. Nun ist sein ganzes Leben zu einem Dasein der Ergebung in
Gottes Willen geworden, und es gibt keinen Widerspruch in seiner
Persöönlichkeit. Er ist ein makelloser Muslim, und sein Islam
ist vollkommen, denn diese Ergebung seines ganzem Ichs in den
Willen Gottes ist Islam und nichts anderes als Islam.
Er hat sich nun bewusst Dem unterworfen, Dem er
bereits unbewusst gehorchte. Er hat nun willentlich dem Herrn
Gehorsam dargebracht, dem er schon unbeabsichtigt Gehorsam
entgegenbringen musste. Sein Wissen ist nun unverfälscht, denn
er hat das Wesen anerkannt, Das ihn mit der Fähigkeit des
Lernens und des Wissens ausgestattet hat. Nun sind seine
Erkenntnis und seine Entscheidung in Einklang gebracht, denn er
hat sich zu Recht dazu entschlossen, dem Wesen zu gehorchen, Das
ihn mit Denk- und Urteilsvermögen begabt hat Auch seine Zunge
ist Wahrheit, denn sie drückt nun mit Überzeugung den Glauben an
den aus, der ihr die Fähigkeit zu sprechen gab. Nun ist sein
ganzes Dasein eine Verköörperung der Wahrhaftigkeit, denn er
gehorcht sowohl bewusst als auch unbewusst den Gesetzen
desselben einen Gottes, der der Herr des Universums ist. Nun
steht sein ganzes Leben vööllig in Eniklang mit dem gesamten
Universum, denn auch er dient dem, dem das ganze Universum dient.
Solch ein Mensch ist Gottes Statthalter auf Erden. Die ganze
Welt ist für ihn und er ist für Gott.
|